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Sonntag 23. Juni 2024
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Man muss eine Art Urvertrauen leben

Das erste Mal begegneten sie sich im Volkschulalter, drei Jahre später durfte er sogar in ihr Poesiealbum schreiben. Kurz darauf verloren sie sich aus den Augen, als Erwin Josten an das Staatliche Gymnasium nach Siegburg wechselte. Das Schicksal trieb sie aber doch zusammen – und nun sind Maria und Erwin Josten seit 70 Jahren verheiratet. Die Liebe der beiden erreicht nun mit der Gnadenhochzeit einen ganz besonderen Höhepunkt. „Es war an Ostermontag im Jahr 1949, als es bei einer Tanzveranstaltung in Müllekoven so richtig gefunkt hat zwischen uns“, erzählt Erwin Josten. Und so wuchs aus dem Schwärmen und Funken eine unerschütterliche Liebe heran, die bis heute andauert. Fünf Jahre gingen die beiden miteinander, dann waren sie überzeugt, dass sie den Rest ihres Lebens miteinander verbringen möchten. Am 20. April 1954 wurde in der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Eschmar geheiratet. Am Morgen dieses Tages war Erwin Josten mit einem Handwagen und seinen sieben Sachen zum Haus seiner künftigen Schwiegermutter gezogen. Dort wurde die erste gemeinsame Wohnung bezogen. Das Ehepaar Josten hat drei Töchter und zwei Enkelkinder. Die Töchter sind Realschullehrerin, Diplom-Soziologin und Ärztin geworden. Enkel Alexander ist promovierter Biochemiker bei Bayer in Leverkusen. Die Enkelin Isabel ist Politologin, nach ihrem Master in Sydney ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am EU-Parlament in Brüssel und Straßburg.

„Der Kinder wegen“ gab es in den ersten Jahren immer Urlaub an der Nordsee. Später ging es dann lange in die Tiroler Berge: Von der Gemeinde Kals am Großglockner haben die Jubilare eine Urkunde erhalten – für 30 Jahre Treue zu ihr.

Erwin Josten begann 1951 eine Ausbildung bei der damaligen AOK für den Siegkreis, aus der dann nach der Kommunalreform in den 1960er-Jahren die AOK für den Rhein-Sieg-Kreis entstand. 42 Jahre später wurde er dort als ihr Chef pensioniert. Im Eschmarer Vereinsleben ist er fest verankert: Er ist seit 76 Jahren Mitglied im Männergesangsverein Eschmar, davon 66 Jahre als aktiver Sänger. 40 Jahre saß er dort im Vorstand, 25 Jahre als Vorsitzender. Nun ist er seit 1998 Ehrenvorsitzender. Von 1984 bis 1988 war er zudem Ortsvorsteher in Eschmar. 24 Jahre war er im Kirchenvorstand seiner Gemeinde, 30 Jahre als Dozent an den Bildungszentren der Ortskrankenkassen, zehn Jahre im IHK-Prüfungsausschuss. Seine ehrenamtlichen Bemühungen wurden von dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ganz besonders honoriert: Er verlieh Erwin Josten das Bundesverdienstkreuz am Bande. Landrat Dr. Franz Möller überreichte es ihm in der Sommerrodelbahn.

Maria Josten pflegte viele Jahre ihre Mutter und ihre Schwester, zudem arbeitete sie 30 Jahre lang ehrenamtlich in der CDU-Kleiderstube Troisdorf. Zudem habe sie, wie es Erwin Josten stolz erzählte, „ihm stets den Rücken frei gehalten – auch in schwierigen beruflichen Situationen“. Eine Besonderheit: Sie war damals eine der wenigen Frauen, die seit 1965 einen Führerschein besaßen.

Das Geheimnis einer so langen gemeinsamen Ehe: Man muss ein gemeinsames Urvertrauen aufbauen, sich bedingungslos aufeinander verlassen können und den festen Willen haben, beieinander zu bleiben. (pho)

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