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Troisdorf

Tag des Ehrenamtes

Ehrenamtler für die Arbeit in einem Verein oder in einer karikativen Einrichtung gewinnen? Kein leichtes Unterfangen, in einer Zeit, in der es ohnehin einen Mangel an bezahlten Kräften auf dem Arbeitsmarkt gibt und Work-Life-Balance -insbesondere bei den jüngeren Generationen – immer mehr Bedeutung bei der Lebensplanung hat. Von daher stand das seit über 60 Jahren bestehende Akkordeon-Orchester Müllekoven vor einer ganz besonderen Herausforderung, als im Januar diesen Jahres gleich der gesamte geschäftsführende Vorstand aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Einem Verein ohne geschäftsführenden Vorstand gemäß §126 BGB droht die Auflösung – Beides für die fast 50 aktiven und inaktiven Mitglieder keine Option und so jagte eine Krisensitzung die nächste. „Eigentlich wollte kein Mitglied, dass das Orchester aufgelöst wird, denn zu sehr lieben alle die wöchentlichen Proben und die erfolgreichen Auftritte. Und so war die Stimmung denn auch in den Januarwochen ziemlich am Boden“, erinnert sich Claudia Lengenfeld, die inzwischen seit über 20 Jahren im AOM musiziert.

Das war die Phase, in die Mitglieder untereinander sich gegenseitig zu überreden versuchten, einen Vorstandsjob anzunehmen. Doch es hagelte nur Absagen, wobei die unterschiedlichsten Argumente vorgebracht wurden: „Zu alt“, „zu jung“ „keine Zeit wegen Beruf und Familie“. Erst nachdem die bisherige Kassenwartin, Susanne Lunkenheimer sich bereit erklärte, in einem neuen Vorstandsteam wieder mitarbeiten zu wollen, kam Phase zwei zum Tragen, die Teambildung. Motto: „Wenn du mitmachst, dann mache ich vielleicht auch mit“. So standen zunächst Kandidaten für den Geschäftsführenden Vorstand mit Ottilie Keß (Vorsitzende), Susanne Lunkenheimer (Kassenwartin) und Rita Wagner (Geschäftsführerin) bereit. Dazu gesellten sich dann noch Claudia Lengenfeld (Eventmanagerin) und Herbert Bohlscheid (bisher schon Vorstand Kommunikation).

Doch die Satzung enthielt noch einen Fallstrick: Im Vorstand musste zwingend noch eine Position aus dem Kreis der inaktiven Mitglieder besetzt werden, eine Aufgabe, die zunächst schier unlösbar schien, bis schließlich mit Gründungsmitglied Peter Weidenbrück, der vor vielen Jahren schon einmal das AOM als Vorsitzender geleitet hatte, auch diese Funktion ausgefüllt werden konnte. Und so präsentierte sich bei der Mitgliederversammlung im April eine Mannschaft von sechs Ehrenamtlern, die dann natürlich auch prompt einstimmig gewählt wurde. Das Akkordeon-Orchester Müllekoven und damit ein kleines Stück Kulturgut in Troisdorf war gerettet.

Stellt sich die Frage, warum in aller Welt Leute bereit sind, sich für andere zu engagieren und dabei auch noch Zeit und Geld zu opfern? Die Vorstandsmitglieder im AOM haben nach fast einem Jahr Tätigkeit festgestellt, dass der unbezahlte Job im Team Spaß macht, zumal man auch etwas zurückbekommt: Anerkennung und Lob von denjenigen, für die man die Arbeit macht. Und das ist mehr wert, als Geld. (hbo)

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