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Donnerstag 25. Juli 2024
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Anbauversuche: Sichere Ernte und Grundwasserschutz

Der Arbeitskreis "Drüber und Drunter" prüft mit Anbauversuchen in Niederkassel, welche Pflanzensorten sich unter den regionalen klimatischen und bodentypischen Parametern besonders für den Anbau vor Ort eignen. Gleichzeitig sollen Sorten identifiziert werden, die nicht oder nur geringfügig mit Pflanzenschutzmittel behandelt werden müssen, um das Grundwasser zu schonen. Auf vier Flächen werden daher Weizen, Gerste, Zuckerrüben und Raps auf insgesamt 44 Parzellen beobachtet, untersucht und analysiert.

Nach der Schließung des Versuchsguts in Köln-Wahn haben die Mitglieder von "Drüber und Drunter" entschieden, eigene Versuche zu starten, um wichtige Erkenntnisse weiter nutzen zu können. Zu den Mitgliedern gehören mehr als 40 Landwirte der Region, die Landwirtschaftskammer NRW sowie die Trinkwasserversorger RheinEnergie AG, Stadtwerke Niederkassel und Stadtwerke Troisdorf. Bernd Bulich, Vorsitzender von "Drüber und Drunter", erklärte das Vorgehen: "In Anbetracht eines sich deutlich verändernden Klimas, haben wir die Ausrichtung der Versuche in diesem Jahr noch einmal verändert. Wir versuchen, Sorten zu ermitteln, die zum einen mit einer längeren Trockenperiode im Sommer zurechtkommen. Andererseits sollen die Pflanzen auch ein feucht-nasses Frühjahr überstehen, ohne dass ein verstärkter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig wird."

Die Versuche sollen langfristig also vor Missernten schützen, ohne das Grundwasser zu belasten. Auch wenn Missernten in Deutschland nicht mehr – wie noch vor einigen Jahrzehnten – zu Hungersnöten führen, ist das Projekt auch überregional wichtig: Im Falle von starken Missernten kaufen reiche Nationen die Güter in anderen – im Zweifel ärmeren – Ländern ein. Das hat wiederrum für ärmere Nationen fatale Folgen – dorthin verschiebt sich dann nämlich die Knappheit, die hierzulande vermieden wurde. Das Problem wird also nur verlagert, nicht gelöst. Auch das soll sich mithilfe der Erkenntnisse des Projektes verändern.

Durch Ernteausfälle verschlechtert sich die Situation der Landwirte – und bedroht ihre Existenz. So auch die Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe des Arbeitskreises, erläuterte Bernd Bulich: "Schließlich leben die Landwirte vom Verkauf ihrer Produkte. Ein Großteil des Gewinns investieren sie direkt wieder. Moderne sowie boden- und gewässerschonende Maschinen kann nur ein starker bäuerlicher Betrieb finanzieren".

Auch für die Grundwasserqualität können Missernten und Ernteausfälle gravierende Folgen haben, erläuterte Uwe Nolting, Fachbereichsleiter Wirtschaftliche Unternehmen der Stadt Niederkassel: "Für ihr Wachstum benötigen Ackerfrüchte Dünger. Diesen bringen die Landwirte passend zu jeder Kultur und entsprechend der Ertragserwartung auf ihre Felder aus. Kommen die Pflanzen nun beispielsweise mit einer längeren Trockenperiode im Sommer nicht zurecht, sterben sie im schlimmsten Fall ab. Dann können sie den Dünger nicht aufnehmen, das darin enthaltene Nitrat kann im Boden versickern und sogar ins Grundwasser gelangen. Wir begrüßen es daher, dass die Landwirte Vermeidungsstrategien entwickeln."

Achim Roth, Agrarberater von "Drüber und Drunter" sowie Mitarbeiter von IGLU (Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt) plant die Versuche, führt sie durch und wertet die Ergebnisse am Ende aus. Das funktioniert aber nur, weil alle beteiligten zielorientiert mithelfen: "Meine Arbeit funktioniert nur, weil verschiedene Landwirte des Arbeitskreises diese mit viel Engagement unterstützen. Sie stellen die Flächen zur Verfügung, bringen das Saatgut aus und fahren die Ernten ein." Insgesamt sind das dann 12 Weizen-, 7 Gersten-, 18 Winterraps-, und 7 Zuckerrübensorten nebeneinander, erläuterte Roth.

Während der Wachstumsperioden werden alle Parzellen engmaschig betreut, so Roth: "Wir schauen gemeinsam mit den Mitgliedern des Arbeitskreises, wie die einzelnen Sorten mit den Gegebenheiten im Anbaujahr zurechtkommen." Besonders wichtig: "Die Ergebnisse unserer Versuche stellen wir abschließend allen Mitgliedsunternehmen zur Verfügung. Sie fließen in die Anbauplanungen für das nächste Jahr ein."

Ein kleiner Ausblick: In diesem Jahr hatten bisher vor allem Sorten einen Vorteil, die gut mit der Nässe im Frühjahr zurechtkamen. Die krankheitsbedingten Unterschiede seien dort teilweise gravierend, schilderte Roth. Für das nächste Jahr konnten also schon einige Erkenntnisse gesammelt werden – weitere werden sicherlich folgen. (pho)

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