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Donnerstag 25. Juli 2024
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Tom T. Marshall auf dem Ochsenfest in Sieglar

Tom T. Marshall tritt zwischen 13 und 17 Uhr auf der KSK-Bühne auf dem Sieglarer Ochsenfest auf. Im Vorfeld sprachen wir mit dem 78-jährigen Musiker, der die amerikanische Musik vor mehr als 60 Jahren für sich entdeckt hat und seitdem nicht mehr ohne kann. Die Liebe zur Country und klassischen Rockmusik ist ungebrochen, sein Spiel mit dem Publikum begeistert ebenso, wie seine vielseitige Musik und seine lockere Art und musikalische Stimme.

Tom T. Marshall, Sie machen nun seit 60 Jahren Musik, hauptsächlich amerikanische Country- und Rock Musik, woher stammt die Liebe für diese Art der Musik?

T.T.M: Mein Vater war Soldat, Ende der 50er-Jahre sind wir gemeinsam mit der Familie in die USA ausgewandert, nach Fort Bliss in Texas. Dort lernte ich die amerikanische Musik kennen und lieben. Allgemein hat mir das amerikanische sehr gut gefallen. Meine Mutter konnte sich leider nicht an das Leben dort gewöhnen, deshalb sind wir dann wieder nach Deutschland zurück.

Gab es Künstler, die sie in den Anfangsjahren besonders fasziniert haben?

T.T.M: Da gab es zum Beispiel Buddy Holly. Den habe ich in einer amerikanischen Rollschuhbar gesehen, bevor er berühmt geworden ist. Damals wusste ich nicht, wer das war, aber die Musik, die fand ich super. Das war damals ja etwas Neues. Und Künstler wie Johnny Cash haben mich damals auch schon beeindruckt

Wie ging es in Deutschland dann weiter für Sie?

T.T.M: Ich habe relativ schnell in meiner ersten Band gespielt, die hieß Ricky and the Blue Rebells. Das Problem war nur, dass ich noch nicht volljährig war, trotzdem spielte ich teilweise in recht dubiosen Schuppen, zum Beispiel am Eigelstein oder an den Ringen in Köln. Da mussten mich meine Eltern dann das ein oder andere Mal abholen, wenn das mit dem Alter herauskam (lacht).

Wollten die Eltern Ihnen die Musik dann verbieten?

T.T.M: Das nicht direkt, sie waren aber nicht begeistert von dem Ziel, Musiker zu werden. Aber welche Eltern sind das schon? Sie wollen das Beste für einen, dass man eine anständige Lehre macht. Das legte sich dann aber, und als sie meinen ersten Song im Radio hörten, waren sie stolz auf mich.

Ihre Karriere nahm dann ja schon an Fahrt auf, haben Sie ein paar berühmte Leute kennengelernt?

T.T.M: Als Bonn noch die Bundeshauptstadt war, habe ich dort regelmäßig für deutsche Politiker gespielt. Da traf ich dann zum Beispiel Helmut Schmidt und seine Frau Loki. Die fand mich große Klasse!

…und Helmut Schmidt?

T.T.M: Naja, der erklärte mir wenig begeistert, er habe schon mit Stockhausen gemeinsam vierhändig Klavier gespielt und stehe eher auf Klassik (lacht). Klassik ist dann vielleicht doch etwas weiter entfernt von meiner Musik. Aber auch einen Oskar Lafontaine oder Gerd Schröder habe ich getroffen. Also viele Politiker, das war immer schön.

Hatten Sie zu dieser Zeit schon Ihren jetzigen Künstlernamen?

T.T.M: Zu der Zeit bin ich noch als Rainer Giehl aufgetreten.

Und wann änderte sich das?

T.T.M: Eines Tages bekam ich eine Einladung von einem – den werden sie nicht mehr kennen – American Embassy Club aus Bad Godesberg. Ein Club der amerikanischen Botschaft in Bonn. Ich ging natürlich hin, war etwas aufgeregt, vor allem, als man mir am Eingang mit Spiegel unter mein Auto schaute. Einmal drinnen, legte sich meine Aufregung, denn die Leute fanden mich Klasse! Einer sagte mir scherzhaft: "If you were born in america, you would piss red, white and blue" (lacht). Das zeigte ja, dass sie auch sahen, wie sehr ich das amerikanische verinnerlicht habe. Naja, jedenfalls fanden die Manager dort meinen Namen nicht passend zu der amerikanischen Musik. Einer schlug mir kurzerhand vor: "Wie wäre es denn mit Tom T. Marshall?". Der Name gefiel mir, und so behielt ich ihn.

Bei den vielen Persönlichkeiten und Reisen nach Las Vegas, England, Belgien, die Schweiz und Europa – gibt es für Sie ein absolutes Karriere-Highlight?

T.T.M: Gibt Es! Das Konzert, auf dem ich meine Frau kennenlernte.

Wo war das?

T.T.M: Das war in den 90er Jahren in der Schweiz. Das kommende Weihnachten haben wir dann schon gemeinsam verbracht.

Und was mögen Sie besonders am Musik machen?

T.T.M: Musik ist mein Leben. Nun schon seit über 60 Jahren und ohne geht es nicht, auch wenn ich etwas kürzertreten muss. Ich will den Leuten eine Freude machen, denn es macht mir eine Freude, die vielen glücklichen Gesichter zu sehen. Ich interagiere ja auch mit dem Publikum. Wenn jemand einen Songwunsch hereinruft, spiele ich den mal gerne spontan. Oder ich gehe durch die Zuschauer, singe gemeinsam mit ihnen Lieder, das macht mich und auch die Menschen glücklich. Ich mache das aber auch für meine Idole, die ja leider auch nicht jünger werden und versterben (sichtlich gerührt). Man kann es auch als eine Art Tribut verstehen.

Bereuen Sie etwas an Ihrer Karriere?

T.T.M: Bereuen nicht. Aber ein paar Fehler habe ich im Nachhinein eventuell gemacht. Als ich jünger war, wurde mir angeboten, im Vorprogramm eines angeblich zukünftigen deutschen Schlagerstars aufzutreten, ich lehnte aber ab, weil ich nicht so auf Schlager stand und das nicht wollte.

Und wurde ein Star aus dem Sänger?

T.T.M: Das war Peter Maffay (lacht). Vielleicht war das ein doofer Fehler.

Aber zu sich zu stehen hat ja auch was Gutes, oder?

T.T.M: Das habe ich immer gemacht. Ich bin immer meinen Weg gegangen, habe mich nicht krumm machen lassen. Zum Glück bin ich auch nicht so ein exzentrischer selbstverliebter Sänger geworden, das geht teilweise ja schnell. Ich bezeichne mich zwar auch gerne als "Rampensau", aber nicht in einem negativen Sinn – ich brauche einfach die Bühne und die Zuschauer.

Nach den vielen Stationen sind Sie nun ja trotzdem immer bei uns in Troisdorf geblieben, nie ans Wegziehen gedacht?

T.T.M: Troisdorf, das ist für mich Heimat. Und deshalb freue ich mich auch so, dieses Jahr wieder beim Ochsenfest zu spielen. Thomas Bröhl hat mich schon öfter eingeladen, und das ist für mich etwas ganz Besonderes. Und das sage ich nun nicht, weil er mich engagiert hat! Nein, das ist einfach ein bisschen Heimat. Dann geht man sonntags beim Bröhl seine Brötchen kaufen, man kennt sich, man schätzt sich und grüßt sich, so ist es halt bei uns, und das schätze ich sehr. (pho)

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