Akkordeonorchester auf großer Heimat-Tour
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Diese philosophische Frage stellte sich der Vorstand des Akkordeonorchesters 1960 Müllekoven bei der Planung des diesjährigen Sommer-Events. Das Ergebnis: Die Karibik-Kreuzfahrt wurde kurzerhand gestrichen, das Bord-Büfett gegen die heimische Gastronomie getauscht. Man begab sich auf eine Expedition aus dem „schönsten Stadtteil“ Müllekoven direkt in das pulsierende Herz der City: zur Burg Wissem.
Selbst für die alteingesessenen Müllekover gab es bei der Führung über das Burggelände noch echte Aha-Momente. Es ging um die wechselvolle Geschichte der Mauern, um kunstvolle Wappen und deren tiefere Bedeutung. Dass die Burg einst als Rathaus diente, bevor sie 1982 durch die Schenkung von Wilhelm Alsleben zum Mekka der Buchillustration wurde, war vielen neu.
Besonders stolz war die Reisegruppe über die neu gewonnene Erkenntnis zur globalen Relevanz von Troisdorf. Man befindet sich hier nämlich in illustrer Gesellschaft: Nur in Tokio, Massachusetts und eben Troisdorf gibt es ein Bilderbuchmuseum. Weltstadt-Feeling pur, ganz ohne Jetlag.
Doch auch die schönste Kulturreise braucht Dramatik. Diese kam prompt von oben: Ein kräftiger Platzregen samt Gewitter sorgte für ein ungeplantes „Sonder-Andante“ im Programm. Die Flucht ins Touristen-Informations-Zentrum war alternativlos. Dort lernten die Musiker dann eben – im Trockenen – alles über das Tor zur Wahner Heide.
Nachdem der Himmel seine Schleusen wieder schloss, wurde der kulturelle Teil für beendet erklärt. Schließlich mussten sich die Teilnehmer körperlich und seelisch auf den anspruchsvollen zweiten Teil des Tages vorbereiten: den Besuch im Stadtbierhaus Troisdorf.
Dort angekommen, drehte sich alles um die kulinarische Partitur. Notenmappen wurden durch Speisekarten ersetzt, und statt Taktstöcken schwang man gekonnt Messer und Gabel. Der Dirigent? An diesem Nachmittag absolut entbehrlich. Eventuelle Missklänge beim Kauen oder Fehler in der Suppen-Logistik blieben völlig bedeutungslos.
Lange konnte sich der musikalische Leiter jedoch nicht ausruhen: Schon zwei Tage später wurde er wieder dringend gebraucht, um die „Horde“ beim Probenbetrieb ordentlich zusammenzuhalten. Schließlich stehen das Probenwochenende in Bad Neuenahr und das große Herbstkonzert am 15. November in der Stadthalle Troisdorf vor der Tür.
Fazit: Ein gelungener, informativer Nachmittag. Ein großer Dank gilt den Organisatoren für dieses Stück Heimatliebe.

